Prozessionen und Wallfahrten

Prozessionen zum Friedhof - Allerheiligen/Allerseelen

Obwohl die Kirche am 1. November jeden Jahres einen Freudentag zu Ehren aller Heiligen feiert, gedenken wir hier in Lengenfeld u. Stein, wie die Gläubigen in allen Orten des Eichsfelds, unserer Verstorbenen.

So führt eine Prozession nach der Nachmittagsandacht zum Friedhof, um dort all derer zu gedenken, die uns vorausgegangen sind. Fällt heute dieses Fest auf einen Wochentag, so findet dieser Gang zum Friedhof am vorhergehenden oder darauffolgenden Sonntag statt. (Anmerkung: Heute findet dieses Fest wieder am tatsächlichen Termin statt.)

Am Abend des Allerheiligen-Festes und auf Allerseelen brennen hunderte von Kerzen auf den mit Liebe geschmückten Gräbern. An diesen beiden Tagen treffen sich die Gläubigen um 19.00 Uhr auf dem Friedhof zu einer Andacht für ihre verstorbenen Angehörigen.

Diese Andachten hielt mit Liebe und Inbrunst von 1925 bis 1975 Fräuein Maria Lorenz, von der Jugend "Tante Mimi" und von den älteren Einwohnern "Aalenschulzens Mimi" genannt. Sie starb am 26. Februar 1976 im 84. Lebensjahr und wurde am 1. März 1976 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf unserem Friedhof beerdigt, wo sie fünfzig Jahre lang vor dem Friedhofskreuz unter dem Kastanienbaum für alle Verstorbenen das Vater Unser betete.

Ab 1. November 1976 hält Frau Ida Schade, geborene Steinwachs (Steinwachs Ida), diese Andachten auf Allerheiligen und Allerseelen. (Anmerkung: Auch Ida Schade ist mittlerweile verstorben. Die Andachten werden von Pfarrer Förster oder Schwester Josefa gehalten).

Nachstehendes Lied, das nach der englischen Volksweise "Heimat, süße Heimat" vorgetragen wird, und das schon unsere Großeltern bei diesen abendlichen Andachten auf Allerheiligen und Allerseelen gesungen haben, hat sich bis auf unsere Tage erhalten. Weil es so zu einem Stück Tradition geworden ist, möchte ich es als Erbe für die kommenden Generationen an dieser Stelle festhalten:

Die Heimat der Seele

Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh'?
Wer deckt sie mit schützenden Fittichen zu?
Ach bietet die Welt keine Freistatt uns an,
Wo Sünde nicht herrschen, nicht anfechten kann?
Nein, nein, nein, nein, hier ist sie nicht;
Die Heimat der Seele ist droben im Licht.

Verlasset die Erde, die Heimat zu sehn,
Die Heimat der Seele, so herrlich, so schön!
Jerusalem droben, von Golde erbaut,
ist dieses die Heimat der Seele, der Braut?
Ja, ja, ja, ja, dieses allein
Kann Ruhplatz und Heimat der Seele nur sein.

Wie selig die Ruhe bei Jesu im Licht!
Tod, Sünde und Schmerzen, die kennt man dort nicht;
Das Rauschen der Harfen, der liebliche Klang
Bewillkommt die Seele mit süßem Gesang.
Ruh', Ruh', Ruh', Ruh', himmlische Ruh'
Im Schoße des Mittlers, ich eile dir zu!

L.Jörgens,
1792 - (um) 1837